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The Arabic Vulgate in Safavid Persia
Halft, Dennis

Main titleThe Arabic Vulgate in Safavid Persia
SubtitleArabic Printing of the Gospels, Catholic Missionaries, and the Rise of Shīʿī Anti-Christian Polemics
Title variationsDie arabische Vulgata im safawidischen Persien
Subtitle for translated titleArabischer Evangeliendruck, katholische Missionare und die Zunahme schiitischer antichristlicher Polemiken
Author(s)Halft, Dennis
Place of birth: Bonn
1. RefereeProf. Walid A. Saleh (University of Toronto)
Further Referee(s)Prof. Birgit Krawietz
KeywordsArabic printing; Catholic missions in Persia; Muslim Bible reception; Safavid Iran; Twelver Shiite refutations of Christianity
Classification (DDC)900 Geography and History
950 General history of Asia; Far East
955 General history of Asia; Iran
956 General history of Asia; Middle East (Near East)
SummaryDie vorliegende Studie untersucht die biblischen Quellen, die imāmitische (zwölferschiitische) Gelehrte im safawidischen Persien des siebzehnten Jahrhunderts heranzogen, sowie die kulturübergreifenden Wirkungen einer mittelalterlichen arabischen Übersetzung der Evangelien, die von nahöstlichen Christen stammt. Sie stützt sich auf neunundneunzig meist unerschlossene arabische und persische Handschriften, die in Bibliotheken in Iran, dem Nahen Osten und Europa erhalten sind, wie auch auf Archivmaterial in verschiedenen europäischen Sprachen. Meine These lautet, dass der Einfluss arabischer Bibelübersetzungen nicht auf arabischsprachige Lande beschränkt war, sondern sich ebenso auf von der persischen Kultur geprägte Gesellschaften erstreckte, in denen diese Übersetzungen die Begegnung und den Austausch zwischen den Religionsvertretern wesentlich prägten.
Die Hauptquelle schiitischer Gelehrter, insbesondere Sayyid Aḥmad ʿAlavīs (st. zwischen 1054/1644 und 1060/1650), Ẓahīr al-Dīn Tafrishīs (st. vor 1114/1702) und Sayyid Mīr Muḥammad Bāqir Khātūnābādīs (st. 1127/1715), für Studium, Übersetzung und Widerlegung der Evangelien wird in dieser Dissertation als die arabische Vulgata identifiziert, die auch als ‚alexandrinische Vulgata‘ oder ‚ägyptische Vulgata‘ bekannt ist. Eine Überarbeitung dieser arabischen Übersetzung der vier Evangelien, die auf früheren Textfassungen beruht, die in der mittleren islamischen Ära in koptischen und syrischen Gemeinden in Umlauf waren, wurde im ausgehenden sechzehnten Jahrhundert in Rom von der Typographia Medicea Orientale mit Erlaubnis der vatikanischen Indexkongregation gedruckt. Was hier als römische arabische Vulgata bezeichnet wird war der erste Druck der Evangelien in arabischer Sprache überhaupt.
Mehr als vierhundert Jahre nach Drucklegung war es mir nach intensiven Recherchen möglich, die Vorlage der römischen arabischen Vulgata auf eine Handschrift koptischer Provenienz zurückzuführen, die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts in einem Kloster im Wādī al-Naṭrūn (in der sketischen Wüste) angefertigt wurde. Die vorliegende Dissertation untersucht weiterhin die Geschichte der Medici-Ausgabe der römischen arabischen Vulgata als ein Zusammenspiel zwischen einem wachsenden Interesse an arabischen Textfassungen der Heiligen Schrift der Christen in der posthumanistischen Ära, dem Aufkommen einer arabischen Druckkultur in Europa und einer starken katholischen Missionsbewegung. Mitglieder religiöser Orden verbreiteten Druckexemplare der römischen arabischen Vulgata im Nahen Osten sowie im indo-persischen Raum und setzten sie als Pionierwerkzeug für die Evangelisierung von Muslimen und Nichtkatholiken in vom Islam geprägten Gesellschaften ein.
Im Gegensatz zu Übersetzungen biblischer Bücher ins ‚Standard-(Neu)Persische‘ aus vorsafawidischer Zeit überschritt die arabische Vulgata im Kontext einer universalistischen katholischen Mission die kulturellen und religiösen Grenzen der nahöstlichen christlichen Gemeinden. Ich vertrete die Auffassung, dass die Verfügbarkeit und die Zugänglichkeit der auf Arabisch gedruckten Evangelien zu einer umfangreichen imāmitischen Rezeption der Bibel führten, wie anhand einiger der frühesten bekannten, auf Persisch verfassten antichristlichen Polemiken sowie einer persischen Übersetzung der Evangelien, die im Auftrag des Schāhs auf Grundlage der römischen arabischen Vulgata angefertigt wurde, deutlich wird. Infolgedessen konnten sich schiitische Gelehrte auf eine weitaus größere Zahl biblischer Verse berufen als das Repertoire, auf das sich Autoren muslimischer Polemiken gegen das Christentum für gewöhnlich stützen.
Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, ein Desiderat in der Geschichte der muslimischen Perzeption der Heiligen Schrift der Christen im Zeitalter des arabischen Bibeldrucks zu schließen. Sie wird deshalb von großem Interesse sein für Vertreter/innen verschiedener Disziplinen, vor allem der Islamwissenschaft, der Iranistik und der Kirchen- und Missionsgeschichte, sowie von besonderer Relevanz sein für alle, die auf dem Gebiet der Renaissance-Studien, der arabischen Handschriftenkunde, der Buchgeschichte und der Kulturgeschichte des Nahen Ostens im Allgemeinen arbeiten.
ContentIntroduction: Persian Translations of the Bible in Pre-Safavid Iran -- Chapter 1: From Egypt via Rome to Persia: The Arabic Vulgate at Cultural Crossroads -- 1.1 A Manuscript of Coptic Provenance in Late Sixteenth-Century Rome: The First Publication of the Gospels in Arabic Translation -- 1.2 The Vorlage for the Medici Edition of the Arabic Vulgate -- 1.3 Vatican Censorship and the Production of the Roman Arabic Vulgate -- Chapter 2: Carmelite Missionaries at Work: The Dissemination of Printed Copies of the Roman Arabic Vulgate in Seventeenth-Century Persia -- 2.1 Catholic-Shīʿī Encounters in Isfahan -- 2.2 The Library of the Discalced Carmelites -- Chapter 3: Reading the Gospels in Favor of Imāmī Shīʿism: The Muslim Reception of the Roman Arabic Vulgate -- 3.1 Sayyid Aḥmad ʿAlavī (d. between 1054/1644 and 1060/1650): Philosopher and Polemicist against Christianity in Isfahan -- 3.2 ʿAlavī’s Attitude towards Judaism and Christianity -- 3.3 The Anti-Christian Works Lavāmiʿ-i rabbānī and Miṣqal-i ṣafāʾ -- 3.4 ʿAlavī’s Persian Refutations of Christianity in the Vatican -- Chapter 4: Ẓahīr al-Dīn Tafrishī (d. before 1114/1702): Defender of ‘Truth’ against Melkites and Latin Missionaries -- 4.1 The Arabic and Persian Recensions of Tafrishī’s Nuṣrat al-ḥaqq -- 4.2 Tafrishī’s Reception of Ibn al-Faḍl’s Arabic Version of the Septuagint Psalter -- 4.3 Tafrishī’s Attitude towards the Bible -- Chapter 5: Sayyid Mīr Muḥammad Bāqir Khātūnābādī (d. 1127/1715): Translator of the Gospels from Arabic into Persian -- 5.1 The Roman Arabic Vulgate in Persian -- 5.2 The Arrival of Printed Copies of the Biblia Sacra Arabica in Persia -- Conclusion: An Intellectual Network between Egypt, Rome, and Persia -- Appendices: 1 Inventory of Manuscripts of ʿAlavī’s Lavāmiʿ-i rabbānī -- 2 Inventory of Manuscripts of ʿAlavī’s Miṣqal-i ṣafāʾ -- 3 Inventory of Manuscripts of Tafrishī’s Nuṣrat al-ḥaqq -- 4 Inventory of Manuscripts of Khātūnābādī’s Persian Translation of the Gospels -- 5 ʿAlavī’s Citations from the Roman Arabic Vulgate in an Unidentified Persian Translation -- 6 Tafrishī’s Citations from the Roman Arabic Vulgate in Arabic and in His Own Persian Translation -- 7 Tafrishī’s Citations from the Septuagint Psalms in Arabic and in His Own Persian Translation
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Number of pages307 Seiten
FU DepartmentDepartment of History and Cultural Studies
Year of publication2017
Document typeDoctoral thesis
Media type/FormatText
LanguageEnglish
Terms of use/Rights Nutzungsbedingungen
Date of defense2017-01-19
Created at2017-02-22 : 10:17:07
Last changed2017-02-22 : 10:17:29
 
Static URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000104197
NBNurn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000104197-5
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