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Überwindung des Schweigens
Hünecke, Silke

HaupttitelÜberwindung des Schweigens
TitelzusatzVerdrängte Geschichte, politische Repression und Kollektives Trauma als Gegenstand der Arbeit der erinnerungspolitischen Bewegung im spanischen Staat
TitelvarianteTranscending the Silence
Zusatz zur TitelvarianteRepressed history, political repression and
collective trauma as the object of the work of the movement of political
commemoration in the Spanish state
AutorHünecke, Silke
Geburtsort: Göttingen
GutachterProf. Dr. Marianne Braig
weitere GutachterProf. Dr. Hajo Funke
Freie SchlagwörterSoziale Bewegung; Erinnerungspolitik; Politische Repression; Franquistische Diktatur
DDC300 Sozialwissenschaften
ZusammenfassungUntersuchungsgegenstand dieser Dissertation ist die gegenwärtige erinnerungspolitische Bewegung im Spanischen Staat, ihre Aneignung der Vergangenheit und ihre praktischen Interventionen bezüglich der II. Republik, des Spanischen Bürgerkrieges und der franquistischen Diktatur. Das Erkenntnisinteresse ist auch auf die Bewegungsstruktur, die konkreten erinnerungspolitischen Interventionen und Perspektiven der Bewegung sowie auf ihre Aktivist_innen und deren Beweggründe gerichtet. Systematisch wurde diese Bewegung mittels des Instrumentariums der Neuen Sozialen Bewegungsforschung (Ressourcenmobilisierung, Motivational Framing, Diagnostic Framing, Prognostic Framing, Memory Framing und Politische Gelegenheitsstruktur bzw. Soziales Handlungsfeld) untersucht. Für diese empirische Pionierarbeit wurden insgesamt 24 Expert_inneninterviews mit Aktivist_innen aus Vereinen aus fünf spanischen Autonomen Gemeinschaften (Andalusien, Baskenland, Kantabrien, Katalonien, Madrid) durchgeführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Als Hintergrund für diese Arbeit ist auch die komplexe franquistische Repression historisch aufgearbeitet sowie psychosoziale Folgen staatlicher Repression allgemein und unter Einbeziehung des vorliegenden Falls analysiert worden.

Es hat sich gezeigt, dass der Fokus dieser erinnerungspolitischen Bewegung auf die franquistische Repression und die antifranquistischen Widerstände gerichtet war und ist. Beide Aspekte sind bis zum Jahr 2000 weitestgehend ignoriert, marginalisiert und ins Private und Exil verdrängt worden. Zurückzuführen ist dies auf das durch die franquistische Repression erzeugte Angstklima und den politisch gewollten Pakt des Schweigens des Postfranquismus, der eine Auseinandersetzung mit dem Franquismus verhinderte. Die jahrzehntelang andauernde, massive und systematische franquistische Repression hatte bei den Betroffenen individuelle (komplexe) Posttraumatische Belastungsstörungen erzeugt, die dann in der antifranquistischen Bevölkerung insgesamt in einem Kollektiven Trauma kumulierten. In dem betroffenen Kollektiv schwelte damit einhergehend ein Bedürfnis nach öffentlicher Bearbeitung der Vergangenheit und Herstellung von Gerechtigkeit. Seit 2000 ist die erinnerungspolitische Bewegung erstarkt. Zentral für die Bewegung sind ihre Forderungen nach Würde, Wahrheit, Erinnerung und Gerechtigkeit. Auf diese Aspekte ist ihre theoretische und praktische erinnerungspolitische Arbeit gerichtet. Diese Arbeit manifestiert sich in Nachforschungen/Recherchearbeiten, Ausstellungen, (Gedenk-)Veranstaltungen, Zeitzeug_innengespräche, Veröffentlichungen, Dekonstruktionen franquistischer Symbolik, Schaffung von Erinnerungsorten für Widerstandskämpfer_innen /Opfer, Exhumierungen aus anonymen Massengräbern. Der größte Bewegungserfolg ist ihr maßgeblicher Beitrag zum Bruch mit dem gesellschaftlichen Schweigen über die franquistische Vergangenheit und zur damit einhergehenden Dekonstruktion des politischen Angstklimas. Das Bewusstmachen der verdrängten Verbrechen und die Neuschreibung der Historie des Widerstands hat die Bewegung zur gesellschaftspolitischen ‚Selbstheilungs’-Kraft werden lassen.
Inhaltsverzeichnis1. Einleitung ... 9

2. Wissenschaftliche Vorannahmen. . . 23
2.1. Werkzeugkiste zur Erinnerung – Gegenwärtige Verständnisse von Erinnerung... 23
2.1.1. Konzeptionen zum Kollektiven Gedächtnis... 24
2.1.2. Zum Wandel und zur Aktualität des Kollektiven Gedächtnisses.... 32
2.1.3. Formen des Erinnerns – Gegenwärtige Erinnerungspolitik... 37
2.1.4. Erinnerungspolitik als umkämpftes Terrain... 42
2.2. Werkzeugkiste zur Sozialen Bewegungsforschung – Methodische Vorannahmen... 47
2.2.1. Instrumentarien der Sozialen Bewegungsforschung... 49
2.2.2. Zusammenspiel der Instrumentarien der Sozialen Bewegungsforschung und zur Wirksamkeit von Sozialen Bewegungen... 62
2.3. Werkzeugkiste zur rekonstruktiven Untersuchung... 65
2.3.1. Expert_inneninterviews als Erhebungsmethode... 65
2.3.2. Transkription – Dokumentation verbaler Kommunikationsprozesse... 71
2.3.3. Qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode... 73
2.3.3.1. Ablauf der Analyseschritte der qualitativen Inhaltsanalyse... 76

3. Zur Komplexität von politischer Repression und den psychosozialen Folgen für die Opfer – unter Berücksichtung der Realitäten des franquistischen Repressionsapparates... 85
3.1. Franquistische Diktatur – Ein »kapitalischer Ausnahmestaat«... 86
3.1.1. Franquismus als »kapitalischer Ausnahmestaat« – Zur Anwendbarkeit Poulantzas Staatstheorie... 86
3.1.2. Franquismus – Eine Gesellschaft im »kollektiven Schockzustand«... 88
3.1.3. Verlauf und Struktur der politischen Repression im Franquismus... 89
3.1.4. Institutionalisierung des franquistischen Repressionsapparates... 92
3.2. Zu den zentralen Formen der franquistischen Repression... 99
3.2.1. Repression in Form von Gefangenschaft und Zwangsarbeit... 100
Exkurs: Spanische Republikaner_innen in NS-Gefangenschaft... 110
3.2.2. Repression in Form von Folter... 112
3.2.3. Repression in Form von Verschwindenlassen... 118
3.2.4. Repression in Form von erzwungener Flucht und erzwungenem Exil... 121
3.2.5. Genozid – Versuch der Zerstörung eines Kollektivs... 138
3.3. Traumatisierung als Folge politischer Repression... 144
3.3.1. Überblick zum Verständnis von individuellen Traumata... 144
3.3.2. Zur Frage nach der Zwangsläufigkeit von Traumatisierung am Beispiel der franquistischen Repression... 157
3.3.3. Zur Problematik der Weitergabe des individuellen Traumas an das soziale Umfeld...158
3.3.4. Verschwindenlassen als möglicher Auslöser von Traumatisierung des sozialen Umfeldes... 163
3.3.5. Übertragbarkeit des individuellen Traumas auf Kollektive: Kollektives Trauma – Entwicklung eines Konzepts... 165
3.3.6. Politisch gewollte Straflosigkeit als Trauma-verstärkende Bedingung... 175

4. Überblick zum empirischen Untersuchungsdesign... 179

5. »Nosotros lo hacemos como una lucha de base« – Zur Struktur der erinnerungspolitischen Bewegung (Ressourcenmobilisierungsansatz)... 187
5.1. »Un grupo de amigos preocupados por la memoria histórica« – Charakteristika der erinnerungspolitischen Vereine... 187
5.2. »Pero nosotros prácticamente lo hacemos todo, todos« – Gruppen- und Arbeitsstruktur ... 198
5.3. »Hay un objetivo común, que es: la recuperación de esa memoria histórica« – Zusammenarbeit der erinnerungspolitischen Vereine... 204
5.4. »Sin dinero ya puedes trabajar mucho, que no llegas muy lejos« – Struktureller Rahmen... 217

6. »A mi padre lo fusilaron por ser socialista« – Persönliche Motivation für das Bewegungsengagement (Motivational Framing)... 223
6.1. »Con quince años, ya tenía un fusil asignado a mi nombre« – Eigene Erfahrungen als Motivation für das Engagement... 224
6.2. »Mi vínculo es porque en mi familia hay cuatro personas represaliadas«– Familiengeschichte aufarbeiten als Motivation für das Engagement... 227
6.3. »Los cuarenta años de dictadura habían borrado todas las experiencias
políticas« – Linke Geschichte aufarbeiten... 229

7. Verständnis, Anliegen und Praxis der EP-Bewegung
(Diagnostic und Prognostic Framing)... 233

7.1. »Dar dignidad a los que nunca la perdieron!« – Forderung nach Würde und die Praxis der Erinnerungspolitik... 234

7.2. »Que se diga todo lo que pasó« – Forderung nach Wahrheit und die Praxis der Geschichtspolitik... 237
7.2.1. »Grabe, wo du stehst« – Geschichtswerkstätten als Inspiration?... 241
7.2.2. »Las ratas se comen la historia de mucha gente« – Zur Archivarbeit...244
7.2.3. »Pues cuéntanos todo lo que pasó!« – Zeitzeug_inneninterviews... 247
7.2.4. »Del franquismo no saben nada« – Bildungsarbeit mit Jugendlichen... 252
7.2.5. »Nuestras historias son interesantes« – Zeitzeug_innengespräche... 257
7.2.6. »En busca de una historia oculta« – Gestaltung lokaler Geschichtspolitik... 259
7.2.7. »Los Esclavos del franquismo« – Zur Zwangsarbeit im Franquismus... 262
7.2.8. »Que mi nombre no se borre de la historia« – Sichtbarmachung der vergessenen Opfer... 267
7.2.9. »En España los llamamos ‚paseados‘« – Die Suche nach den Verschwundenen als Fokus geschichtspolitischer Arbeit... 272
7.2.9.1. »¿Cuál es la que tiene razón?« – Differenzen über die Suche nach den Verschwundenen... 275
7.2.9.2. »Mi abuelo también fue un desaparecido« – Von der ersten öffentlichen privaten Exhumierung zur landesweiten Thematik... 281
7.2.9.3 »Protocolo de excavaciones« – Zum Verlauf einer Exhumierung... 291

7.3. »Memoria, porque no hay que olvidar nunca lo que pasó« – Forderung nach Erinnerung und zur Praxis der Erinnerungskultur... 297
7.3.1 »Homenajes son necesarios para remarcar y difundir la memoria« – Zur Iniitierung von Gedenkveranstaltungen... 302
7.3.2 »Voluntarios de la Libertad« – Die späte Anerkennung der Internationalen Brigadist_innen... 306
7.3.3. »Se trataba de hacer una demonstración de fuerza en un momento de mucha
esperanza« – Späte Ovation für die Republikaner_innen... 310
7.3.4. »Esclavos de Franco en los Pirineos« – Von der Gedenkveranstaltung bis zur Ausstellung... 313
7.3.5. »Que se saquen todos los signos de tipo franquista que hay« – Zum Umgang mit franquistischen Gedächtnisorten... 318
7.3.6. »Limpia tus calles de fascismo« – Kampagne gegen franquistische Symbolik... 323
7.3.7. »Franco tiene que salir del Valle de los Caídos« – Zum Umgang mit dem franquistischen Gedenkort... 329

7.4. »El perdón sin justicia es un error porque implica impunidad« – Forderung nach Gerechtigkeit und die Praxis der Vergangenheitspolitik... 337
7.4.1. »Nuestra ley de la ‚Memoria Histórica‘ es la ley de una ‚vergüenza histórica‘« –
Auseinandersetzungen um ein Erinnerungsgesetz... 341
7.4.2. Oficina de víctimas de la Guerra Civil y la dictadura... 360
7.4.3. »Contra la impunidad. En solidaridad con las víctimas« – Zur Straflosigkeit und zum Fall des Untersuchungsrichters Garzón... 361

8. »Un país como es el nuestro no solamente ha perdido la memoria« – Zum Kollektiven Gedächtnis der postfranquistischen Gesellschaft (Memory Framing-Ansatz)... 375
8.1. »Sigue existiendo el manto de miedo. Sigue siendo un tema tabú« – Angst und Schweigen in der postfranquistischen Gesellschaft... 376
8.2. »Porque aún hay más gente que necesita atención psicológica sobre ese tema« – Vereinte Bemühungen von der EP-Bewegung und psychologischen Expert_innen... 386
8.2.1. »El sujeto no puede vivir en una situación permanente de miedo« – Grup Trauma i Transmissió der FCCSM... 387
8.2.2. »Se encontraban como muertos en vida« – Equipo de trabajo de Psicología y Memoria der PSF-M... 392
8.3. »Tiempo es lo que no tienen los familiares de las víctimas« – Zum drohenden Verlust des Kommunikativen Gedächtnis... 396

9. »Los políticos, si se están moviendo, es porque están siendo empujados por nosotros« – Auswirkungen der Bewegung... 401
9.1. »Lo que hacen es intentar jugar entre dos aguas« – Zum Verhältnis zur Regierung und staatlichen Institutionen... 402
9.1.1. »Con las instituciones suele haber un problema y es que cada vez que hay
elecciones cambian las personas« – Zum Verhältnis zu den Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gemeinden... 405
9.2. »Si la clase política tuviera un poquillo de dignidad nos tendría que dar un
aplauso« – Zum Verhältnis zu den politischen Parteien... 415
9.2.1. »Dicen: Las heridas están curadas« – Zum Verhältnis zur Partido Popular... 416
9.2.2. »Entonces el PSOE utilizó esto como una estrategia« – Zum Verhältnis zur Partido Socialista Obrero Español... 422
9.2.3. »Tenemos una buena relación con Izquierda Unida« – Zum Verhältnis zur Partido Comunista Español (PCE) und Izquierda Unida (IU)... 425
9.3. »Estamos esperando a que la Iglesia renuncie a esos valores franquistas« – Zum Verhältnis zur katholischen Kirche... 427
9.4. »Y eso vino bien porque dio a conocer a la asociación« – Zum Verhältnis zu den Printmedien... 431
9.4.1. »En El País hemos vuelto a salir por lo menos tres o cuatro veces« – Zum Verhältnis zur sozialdemokratischen Zeitung El País... 431
9.4.2. »El Mundo decide liderar ese revisionismo« – Zum Verhältnis zu El Mundo... 435
9.4.3. »Me han hecho un jucio público desde el ABC« – Zum Verhältnis zur monarchistischen ABC... 437
9.5. »Esto es una bola de nieve que todavía está empezando a caer« – Zur Einschätzung der bisherigen Wirksamkeit der EP-Bewegung... 440
9.5.1. »Hace dos años como no había asociación, pues no había nada« – Einschätzungen zu den erinnerungspolitischen Vereinen... 441
9.5.2. »Todas las entidades memorialistas han hecho y están haciendo un gran papel y les queda un largo camino por recorrer« – Einschätzungen zur erinnerungspolitischen Bewegung... 447

9.6. »La ruptura real con la dictadura se va a dar por la gente que hoy tiene 17, 18, 19 años« – Perspektiven der Bewegung... 451
9.6.1. »Vamos a seguir combatiéndolo para que dejemos de ser la generación posfranquista que tiene miedo« – Der fortwährende Kampf um Würde (Erinnerungspolitik)... 455
9.6.2. »Lo que queremos es por lo menos recuperar todo lo que han escondido« – Der fortwährende Kampf um Wahrheit (Geschichtspolitik)... 458
9.6.3. »Que hagamos consciente a la sociedad de que tiene un patrimonio histórico
que proteger« – Der fortwährende Kampf um Erinnerung (Erinnerungskultur)... 463
9.6.4. »Nosotros pedimos comisiones de la verdad« – Der fortwährende Kampf um Gerechtigkeit (Vergangenheitspolitik)... 465

10. »Sigue la lucha por la memoria« – Resümee und Ausblick der Arbeit »Überwindung des Schweigens«... 469

Abkürzungen... 483
Literaturverzeichnis...485
Kategoriensystem... 509
Eigene Veröffentlichungen zum Dissertationsthema...515
Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse...517
Summary of the main points...520
Lebenslauf...522
Dokumente
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Seitenzahl523 S.
Fachbereich/EinrichtungFB Politik- und Sozialwissenschaften
Erscheinungsjahr2013
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
Rechte Nutzungsbedingungen
Tag der Disputation13.05.2013
Erstellt am18.09.2013 - 08:39:23
Letzte Änderung18.09.2013 - 13:10:33
 
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000095137
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