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Aspekte der Myocardprotektion und Cardioplegie im klinischen Vergleich
Baretti, Rufus

HaupttitelAspekte der Myocardprotektion und Cardioplegie im klinischen Vergleich
TitelvarianteAspects of Myocardial Protection and Cardioplegia in Clinical Comparison
AutorBaretti, Rufus
Geburtsort: Aachen
GutachterProf. Dr.med. Hermann Reichenspurner
weitere GutachterProf. Dr.med. Hans-Hinrich Sievers
Freie SchlagwörterMyocardial Protection, Cardioplegia, Bloodcardioplegia, Cardiac Surgery
DDC610 Medizin und Gesundheit
ZusammenfassungKonzepte zur thorakalen Organpräservation beherbergen eine Reihe von physikalischen wie chemischen Beschaffenheiten, die einzeln wie in ihrer Gesamtkomposition auf Herz und Lunge einwirken. Die vorliegende Habilitationsschrift präsentiert Untersuchungen an cardioplegischen Konzepten zum Einfluß der Temperatur, des Hämatokrits, des Kalziums, der Zugabe von L-Arginin, sowie an der Richtung und Route einer Perfusion mit Präserva-tionslösung auf die Protektion der Lunge im Rahmen der Organgewinnung zur Lungen-transplantation, sowie an der Geometrie des linken Ventrikels auf die Kontraktilität des Herzens und eine klinische Vergleichsstudie zweier cardioplegischer Konzepte an Notfall-Patienten mit Ischämie-belasteten Herzen, die operativ revaskularisiert werden.
Der gut steuerbare Herzstillstand, die verläßliche Wiederbelebung des Herzschlags sowie die Cardioprotektion der Myozyten und der Endothelzellen vor Ischämie und den Konse-quenzen der Reperfusion und Reoxygenation nach Hypoxie bestimmen maßgeblich die Güte einer Cardioplegie.
Normothermie erlaubt die Aufrechterhaltung des zellulären Stoffwechsels und ermöglicht metabolische Reparaturmechanismen unter Ausschluß einer Ischämie oder Hypoxie. Hy-pothermie reduziert den Stoffwechsel, senkt den Sauerstoffbedarf der Zellen und kann vor den Folgen einer Ischämie schützen. In einer Versuchsanordnung konnten wir zeigen, daß die kontinuierliche Coronarperfusion mit kaltem Blut eine anhaltende Cardioplegie er-möglicht und eine gute Cardioprotektion bewirkt.
Der Hämatokrit wird maßgeblich durch den Gehalt an Hämoglobin bestimmt (ausgenom-men die onkologisch-maligne veränderte Blutzusammensetzung). Hämoglobin transpor-tiert den Großteil des Sauerstoffs im Blutstrom und ist eine der Säulen der Pufferkapazität des Blutes. An der Extrakorporalen Zirkulation wird eine möglichst geringe Hämodilution angestrebt mit dem Ziel den Hämatokrit nicht abfallen zu lassen. In einer Versuchsanord-nung konnten wir zeigen, daß bei kontinuierlicher artifizieller Coronarperfusion mit Blut-cardioplegie sich ein niedriger Hämatokrit von 20 – 25 % als vorteilhaft erweist zur Plegie und Versorgung des Herzens, ein hoher Hämatokrit von 40 – 45 % dagegen als schädlich mit Einbuße der cardialen Funktion und Bildung eines cardialen Ödems.
Der zytoplasmatische Gehalt an Kalzium zusammen mit anderen Elektrolyten bewirkt Kontraktion und Relaxation der Cardiomyozyten. Die zytoplasmatische Überladung mit Kalzium entsteht in der Aetiologie vieler Noxen wie der Ischämie-Reperfusion und der Hy-poxie-Reoxygenation. Als Folge können eine temporäre Hyperkontraktur, ein „stunning“ oder „stone-heart“ entstehen. In einer Versuchsanordnung konnten wir zeigen, daß sich eine Hypokalzämie in der Phase der Reoxygenation nach Hypoxie als vorteilhaft erweist zur Minderung des Hypoxie-Reoxygenationsschadens an Herz und Lunge mit verbesser-ter Herzfunktion und Reduktion des erhöhten Gefäßwiderstandes in der pulmonalvaskulä-ren Strombahn.
Die Zugabe von Aminosäuren zur blutcardioplegischen Lösung erhöht deren Protektions-wirkung. So unterstützen Glutamat und Aspartat in der Blutcardioplegie die metabolische und funktionelle Erholung des Cardiomyozyten von einer Ischämie-Reperfusion. In einer Versuchsanordnung mit cardialer Ischämie, Reperfusion und Protektion durch Blutcardio-plegie konnten wir zeigen, daß die Funktion des Endothels hiervon ausgenommen ist. Die Zugabe von L-Arginin zu Blut oder Blutcardioplegie in der Phase der Reperfusion nach Ischämie schützt Cardiomyozyten und Endothelzellen und verbessert ihre metabolische wie funktionelle Rekonvaleszens.
Der Organpräservation kommt entscheidender Einfluß auf den Erfolg der Lungentrans-plantation zu mit initialem Gasaustausch, Heilung der Bronchusanastomosen und Verhin-derung der Entwicklung einer Bronchiolitis obliterans. Für eine gute Organpräservation ist die vollständige Perfusion des Lungenparenchyms und Bronchialgewebes mit der Präser-vationslösung wichtig. Als Gefäßbett bieten sich die pulmonalarterielle, pulmonalvenöse und die bronchialarterielle Strombahn. In einer Versuchsanordnung mit unterschiedlichen Perfusionsrouten konnten wir zeigen, daß die retrograde Perfusionsroute über die Pulmo-nalvenen zu einer besseren Perfusion des Lungen- und Bronchialgewebes führt als die antegrade über die Pulmonalarterien, und daß Atelektasen die Perfusion des Lungenpar-enchyms beeinträchtigen.
Die Geometrie des linken Ventrikels beeinflußt dessen Pumpfunktion. Die Vergrößerung des linken Ventrikels durch Dilatation oder Ausbildung eines Aneurysmas führt zu einer sphärischen Distension. In einer Versuchsanordnung konnten wir zeigen, daß eine sphä-rische Distension die Elastizität und Kontraktilität des linken Ventrikels beeinträchtigt, und die anschließende Aufhebung der sphärischen Distension und Rückführung in eine ellip-tische Modellierung mit physiologischem Ventrikeldiameter die linksventrikuläre Elastizität und Kontraktilität verbessert.
In einer klinischen Vergleichsstudie wurde die protektive Wirkung zweier cardioplegischer Konzepte überprüft. Notfall-Patienten mit Ischämie-belasteten Herzen wurden für die ope-rative Revaskularisierung randomisiert für die kristalloide Cardioplegie mit Kirsch/HAES oder die Blutcardioplegie nach Buckberg. Mit beiden Konzepten der Cardioplegie, der kri-stalloiden Cardioplegie nach Kirsch/HAES sowie der Blutcardioplegie nach Buckberg, lie-ßen sich die zu operierenden Herzen zuverlässig stillstehen und relaxieren. Patienten nach Blutcardioplegie boten bessere cardiale Verlaufsparameter wie in der regionalen Kontraktilität, der Enzymexpression sowie Ischämiezeichen im EKG. Dieser Unterschied wurde vor allem bei Patienten im cardiogenen Schock deutlich. Die Wahl der Cardioplegie hatte allerdings nur einen undeutlichen Einfluß auf den klinischen Verlauf: die Mortalität, die Verweildauer auf der Intensivstation sowie die Anzahl der Tage der künstlichen Beat-mung waren in beiden Gruppen der Cardioplegie ohne signifikanten Unterschied mit Ten-denz der schnelleren Rekonvaleszenz in der Gruppe der Blutcardioplegie. Patienten der Blutcardioplegie-Gruppe ohne Schocksymptomatik erforderten signifikant weniger Kreis-laufunterstützung durch Katecholamine und eine intraaortale Ballonpumpe. Auch wurden nach Blutcardioplegie signifikant weniger Fremdbluteinheiten transfundiert.
Dokumente
PDF-Datei von FUDISS_thesis_000000021539
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Fachbereich/EinrichtungMedizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin
Erscheinungsjahr2011
Dokumententyp/-SammlungenHabilitation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
Rechte Nutzungsbedingungen
Tag der Disputation24.01.2011
Erstellt am03.03.2011 - 11:11:04
Letzte Änderung03.03.2011 - 11:14:16
 
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000021539
URNurn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000021539-7
Zugriffsstatistik
E-Mail-Adressebaretti@dhzb.de
 

 
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Stand: 28.02.2010

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