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"Angioprotektin": ein vasoprotektives Angiotensin-Peptid
Günthner, Thomas

Haupttitel"Angioprotektin": ein vasoprotektives Angiotensin-Peptid
Titelvariante"Angioprotectin": a vasoprotective angiotensin peptide
AutorGünthner, Thomas
Geburtsort: Leonberg
GutachterProf. Dr. rer. nat. J. Jankowski
weitere GutachterProf. Dr. med. K. Kisters, Priv.-Doz. Dr. med. I. Buschmann
DDC610 Medizin und Gesundheit
ZusammenfassungDie Gruppe der Angiotensin-Peptide erweiterte sich im Laufe der letzten Jahre zunehmend. In den meisten Fällen verfügen die jeweiligen Abkömmlinge des Angiotensin-II (Ang-II) dabei über unterschiedliche Affinitäten gegenüber den bekannten Angiotensin-Rezeptoren. In der vorliegenden Arbeit wurde das Oktapeptid Pro-Glu-Val-Tyr-Ile-His-Pro-Phe (Angioprotektin), ein endogener Gegenspieler gegenüber den Ang-II-induzierten Effekten am AT1-Rezeptor, aus menschlichem Blutplasma isoliert, mittels MALDI-TOF-TOF-Massenspektrometrie identifiziert und nachfolgend in seiner physiologischen Wirksamkeit charakterisiert.

Zur Fraktionierung des Plasmas kamen zu Beginn zwei chromatographische Auftrennungsmethoden zum Einsatz, die Größenausschluss-Chromatographie und die Reversed-Phase-Chromatographie. Nachdem wir auf diesem Wege das unbekannte Peptid in einer homogenen Fraktion isoliert hatten, erfolgte die massenspektrometrische Untersuchung mittels MALDI-TOF-MS. Es zeigte sich hierbei eine molekulare Masse des Peptids von 1001,5 Da. Das zugrundeliegende Peptid wurde mittels MS-MS-TOF-TOF fragmentiert, um weitere Information über dessen Aufbau zu erhalten. Nachdem sich durch einen Datenabgleich unseres Fragmentspektrums mit der MS/MS-Datenbank Mascot (www.matrixscience.com) keine Aussagen über die gesuchte Aminosäuresequenz des Peptids erzielen ließ, erfolgte zur weiteren Identifikation eine de-novo-Sequenzierung, die die Aminosäuresequenz „Pro-Glu-Val-Tyr-Ile-His-Pro-Phe“ ergab, im Folgenden „Angioprotektin“ genannt. Das Ergebnis wurde bestätigt, indem das Fragmentspektrum unseres Peptids mit dem des synthetisch hergestellten Peptids mit der entsprechenden Aminosäuresequenz verglichen wurde.

Das Angioprotektin verfügt in physiologisch relevanten Konzentrationen über keinen direkten vasokonstriktorischen Effekt bei isolierten Aortenringen der Ratte, jedoch interagiert es mit den vasokonstriktorischen Effekten des Ang-II. In physiologischen Charakterisierungsversuchen konnte nachgewiesen werden, dass eine äquivalente Dosis des Angioprotektins eine Ang-II-induzierte Vasokonstriktion um etwa 30 % reduziert. Insofern kann dem Angioprotektin unter in-vivo-Bedingungen ein vasodilatativer Effekt zugeschrieben werden. Das Angioprotektin interagiert mit den vasokonstriktorischen Effekten des Ang-II über eine Stimulation des MAS-Rezeptors, welcher sowohl den intrazellulären Kalziumeinstrom als auch die endotheliale Stickstoffmonoxid-Synthese moduliert. Insgesamt besteht in seiner Wirksamkeit eine Homologie zum Angiotensin-(1-7), einem bekannten Agonisten des MAS-Rezeptors.

Die Angioprotektin-Plasmakonzentrationen lagen bei gesunden Probanden in einer Größenordnung von etwa 15% gegenüber den Ang-II-Plasmakonzentrationen, bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz dagegen bei etwa 50%. Diese Plasmakonzentrationen liegen hinsichtlich der beobachteten Wirkungen innerhalb durchgeführter Bioassays zur physiologischen Wirksamkeit im relevanten Bereich. Die Plasmakonzentrationen des Angioprotektins waren in der Gruppe der niereninsuffizienten Patienten gegenüber der Gruppe der gesunden Probanden um das 3,12-fache erhöht. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob das Angioprotektin möglicherweise die Voraussetzungen für einen neuartigen Biomarker zur Früherkennung der chronischen Niereninsuffizienz erfüllt.

Ein kommerziell erhältlicher Ang-II-Quantifizierungsassay zeigte eine Kreuzreaktivität zwischen Angioprotektin und Ang-II und konnte dadurch zwischen beiden Molekülen nicht diskriminieren. Aus diesem Grund sollten Antikörper-basierte Assays mit Vorsicht interpretiert werden, besonders, wenn sich die Ang-II- und Angioprotektin-Werte in einem ähnlichen Bereich befinden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der endogene Ang-II-Gegenspieler Angioprotektin physiologische und pathophysiologische Ang-II-Effekte beeinflusst und dadurch einen potentiell wichtigen neuen Modulator des Renin-Angiotensin-Systems repräsentiert.
Dokumente
Dataobject from FUDISS_thesis_000000014750
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Fachbereich/EinrichtungMedizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin
Erscheinungsjahr2010
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
Rechte Nutzungsbedingungen
Tag der Disputation29.01.2010
Erstellt am15.12.2009 - 11:19:48
Letzte Änderung19.02.2010 - 12:12:13
 
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000014750
URNurn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000014750-1
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E-Mail-Adressethomas.guenthner@charite.de