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Gelingende Hilfen in Pflegefamilien
Thiele, Carmen

HaupttitelGelingende Hilfen in Pflegefamilien
TitelzusatzEin Beitrag zur Qualitätsentwicklung im Hilfesystem Vollzeitpflege
TitelvarianteBest practices in foster families
Zusatz zur TitelvarianteContribution to the development of quality
AutorThiele, Carmen
Geburtsort: Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
GutachterProf. Dr. Reinhart Wolff
weitere GutachterProf. Dr. Jürgen Blandow
Freie SchlagwörterQualitative Social Research; Foster Care Research; Social Work; Child and youth welfare; Development of quality
DDC300 Sozialwissenschaften
ZusammenfassungAbstract:
Das Thema der Arbeit greift einen zentralen Problembereich der Kinder- und Jugendhilfe auf. Was ist eine gelungene oder gelingende Hilfe, wie können Qualitäten bestimmt werden und welchen Beitrag kann Wissenschaft und Praxis zur Qualitätsentwicklung leisten.
Im Bereich erzieherischer Hilfen außerhalb der Geburtsfamilie kann als bekannt vorausgesetzt werden, dass die betroffenen Kinder und Jugendliche immer bereits mit Prägungen aus ihrem herkunftsfamiliären Kontext und häufig bereits mit vielfältigen Vorerfahrungen aus anderen Hilfesystemen an ihren neuen Lebensort gelangen. In der Pflegekinderforschung wurden bisher Faktoren wie „zeitliche Stabilität“ eines Pflegeverhältnisses, der Qualität der Pflegeeltern-Pflegekind-Beziehung oder auch die ‚Lebensbewährung’ ehemaliger Pflegekinder zur Qualitätsbestimmung herangezogen.
In dieser Arbeit wird zur Bestimmung „gelingender Hilfen in Pflegefamilien“ ein rekonstruktiver Ansatz gewählt. Die Grundfragestellung lautet: „Sind Pflegeeltern mit ihren Erfahrungen in der Lage, mich darüber zu informieren, was gelingende Pflegeverhältnisse sind und welche Rahmenbedingungen förderlich wirken?“ (S. 9) Anhand von vier exemplarisch ausgewählten Forschungsarbeiten aus den Jahren zwischen 1972 und 2000 werden die unterschiedlichen Ansätze zur Bestimmung des Erfolgs von Pflegeverhältnissen kritisch beobachtet.
Basierend auf einer Forschungsstrategie der grounded Theory werden das Forschungsdesign beschrieben und Eckpunkte methodisch diskutiert. Mit Rückgriff auf die zuvor exemplarisch ausgewählten Forschungsarbeiten werden wichtige statistische Angaben des aktuellen Samples mit diesen in Beziehung gesetzt. Dabei wird deutlich, dass eine Engführung auf objektive Kriterien zur Qualitätsbestimmung der Komplexität des Feldes nicht gerecht wird. Anhand von vier Falldarstellungen werden die Vielfalt von Pflegefamilien vorgestellt. In dieser Zusammenstellung zeigt sich die Bedeutung der auswählenden und begleitenden Fachdienste für gelingende Hilfebeziehungen. Dies wird vor allem an der Sicht auf die Herkunftsfamilie sowie an den Interaktionsbeziehungen der Pflegefamilien zu ihrem betreuenden Fachdienst deutlich. Wichtige Themen in allen problemzentrierten Interviews waren die Konstruktion der Pflegefamilie von sich als Familie und die Bedeutung von Elternschaft. Damit knüpft die Arbeit an das Thema der Rollendefinition an und führt diese gleichzeitig aus der Engführung einer „Mutterrolle“ hinaus und entwickelt eine Theorie der Balance von familialer Schließung und doppelter systemischer Öffnung als Qualitätsmerkmal für gelingende Beziehungen im Hilfesystem Vollzeitpflege. Die von den Pflegeeltern erzählten Interaktionen weisen zudem darauf hin, dass die unterschiedlichen Positionen der am Hilfesystem Beteiligten unterschiedliche Handlungsdispositionen bedingen. Diese strukturellen Differenzen sind meist weder den Pflegeeltern noch den betreuenden Fachdiensten bewusst und verstärken damit Kommunikationsprobleme. Eine Qualifizierung von Fachkräften und Pflegeeltern, die neben wichtigen entwicklungspsychologischen und juristischen Themen auch die Interaktionsvoraussetzungen im Hilfesystem mit einbezieht, zeigt sich als weiteres wichtiges Element für die Qualitätsentwicklung. Konflikte in den pflegefamiliären Beziehungen und welche Bewältigungsmöglichkeiten Pflegeeltern als hilfreich empfanden, war ein weiterer Schwerpunkt in den Interviews. Erfolgreiche Pflegefamilien verlassen zur Konfliktlösung auch den familiären Rahmen und sind in der Lage sich Hilfe von außen zu organisieren. Vor allem Unterstützungssettings, die auch außerhalb des Hilfesystems liegen (Pflegeeltern -Verbände und Pflegeelterngruppen zeigten sich als bedeutungsvoll.
Gelingende pflegefamiliale Erziehung kann nur in Bezug auf das gesamte Hilfesystem untersucht werden. Das Ausbalancieren von Ambivalenzen kennzeichnet sowohl innerfamiliäre Beziehungen wie auch die Beziehungen im gesamten Hilfesystem.
Inhaltsverzeichnis1 Einleitung – das Forschungsinteresse
2 Hilfe zur Erziehung in Pflegefamilien
2.1 Pflegefamilien – Zahlen, Fakten, Trends
2.1.1. Hilfe zur Erziehung in Zahlen
2.1.2. Pflegefamilien als differenzierte Hilfeangebote
2.1.3. Rechtliche und materielle Rahmenbedingungen in Berlin
2.2 Wichtige Forschungsetappen
2.2.1. Grundformen öffentlicher Ersatzerziehung
2.2.2. Rollenbilder und Selbstkonzepte von Pflegemüttern – Versuch einer Theorie
über gelingende Pflegeeltern – Pflegekind- Beziehungen (Blandow 1972) 2
2.2.3. Ersatz- oder Ergänzungsfamilie?
2.2.4. Die ISA–Studie über Gründe und Folgen der Beendigung von
Pflegeverhältnissen eine quantitative und qualitative Untersuchung
(Jordan / Güthoff 1991)
2.2.5. Das Beziehungsdreieck Pflegefamilie – Pflegekind – Herkunftsfamilie eine quantitative Studie zur Familiendynamik in Pflegefamilien (Kötter 1994)
2.2.6. Zwischen zusammen wachsen und auseinandergehen - eine quantitative
Studie zu Pflegeverhältnissen als pädagogisches Verhältnis (Gassmann 2000)
2.3 Qualitätsdiskussion zu den Hilfen zur Erziehung in Pflegefamilien
2.3.1. Kinderschutz als Rettung?
2.3.2. Pflegekinderhilfe -DJI
2.3.3. Qualitätsdiskussion in der sozialpädagogischen Praxis
2.3.4. Praxisforschung
3 Der Forschungsprozess
3.1 Die ersten Schritte
3.2 Erarbeitung des Leitfadens
3.3 Zugang zum Feld
3.4 Gesprächssituationen
3.5 Die Auswertung
3.5.1. Transkription
3.5.2. Bearbeitung der Daten
3.5.3. Erarbeitung soziodemografischer Daten
3.5.4. Erarbeitung der Falldarstellungen
4 Forschungsergebnisse
4.1 Soziodemografische und statistische Daten
4.1.1. Familienkonstellation - Elternebene
4.1.2. Familienkonstellation – Kinder
4.1.3. Dauer von Pflegeverhältnissen
4.1.4. Vermittlungsalter der Kinder
4.1.5. Berufsausbildung, Berufserfahrung und Vorbereitung
4.1.6. Abbruch von Pflegeverhältnissen
4.2 Kurzporträts
4.2.1. Biografische Begleiterin für Pflegekinder und ihre Mütter 
Großpflegestelle Kurz- und Dauerpflege (Familie Wulff)
4.2.2. Eine lernende und erfahrene Pflegemutter 
Dauerpflege seit den siebziger Jahren (Familie Schmidt)
4.2.3. Pflegefamilie als Beruf (Familie Schneider)
4.2.4. Wir versuchen das Unmögliche –
eine normale Pflegefamilie (Familie Meißner)
4.3 „Erfolg“ und „Familie“
4.3.1. Irritation
4.3.2. Aufgabenspezifischer Interpretationsrahmen von Pflegefamilien
4.3.3. Familie als soziales Lernfeld
4.3.4. Problemlösungskompetenz
4.3.5. Erfolgskriterien
4.4 Elternschaft – Konstruktion als Familie
4.4.1. Gefühlte Elternschaft
4.4.2. Familie sein – Integration und Differenz
4.4.3. Sowohl Elternschaft als auch Beruf
4.5 Machtbeziehungen in Pflegeverhältnissen
4.5.1. Auftragsvergabe – staatliche Definitionsmacht (Jugendamt/Pflegefamilie)
4.5.2. Pflegefamilie und Herkunftsfamilie
4.5.3. Machtquellen der Kinder
4.6 Konflikte und schöne Erlebnisse
4.6.1. Umgang mit der Fragestellung
4.6.2. Das Verhältnis der Pflegekinder zu ihrer biologischen Familie
4.6.3. Verhältnis zu Behörden
4.6.4. Trennung und Abbruch
4.6.5. Ungewohnte Verhaltensweisen (der Pflegekinder)
4.6.6. Möglichkeiten der Konfliktbewältigung
4.6.7. Schöne Erlebnisse
5 Theoretischer Rahmen für ein Konzept von Gelingen
5.1 Familiäre Systembildung und doppelte systemische Öffnung
5.1.1. Familiäre Systembildung
5.1.2. Öffnung zum Hilfesystem
5.1.3. Öffnung zu anderen Familiensystemen
5.1.4. „Sowohl als auch“ – ein Qualitätsmerkmal für gelingende Pflegebeziehungen
5.1.5. Auswirkungen für die Praxis
5.2 Paradoxie der Zeit
5.2.1. „Kindliche Zeitempfinden“ – eine Kategorie zwischen objektivierte Zeit und gelebter Zeit
5.2.2. Die Kontinuität von Diskontinuität
5.2.3. Pflegekinderhilfe und das Problem der Zeit
5.3 Macht – Ohnmacht
5.3.1. Das Habituskonzept oder die symbolische Gewalt der Sozialisation
5.3.2. Das soziale Feld Vollzeitpflege
5.3.3. Auswirkungen für die Praxis
6 Anlagen
7 Literaturverzeichnis
Dokumente
Dataobject from FUDISS_thesis_000000011909
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Seitenzahl290 S.
Fachbereich/EinrichtungFB Politik- und Sozialwissenschaften
Erscheinungsjahr2009
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
Rechte Nutzungsbedingungen
Tag der Disputation16.07.2009
Erstellt am30.07.2009 - 10:46:56
Letzte Änderung19.02.2010 - 12:03:44
 
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000011909
URNurn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000011909-0
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