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„Gedenke, daß du eine deutsche Frau bist!“ Die Ärztin und Bevölkerungspolitikerin Ilse Szagunn (1887-1971) in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.
Sach, Louisa

Haupttitel„Gedenke, daß du eine deutsche Frau bist!“ Die Ärztin und Bevölkerungspolitikerin Ilse Szagunn (1887-1971) in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.
Titelvariante“Be mindful that you are a German Woman!” The doctor and population politician Ilse Szagunn ( 1887- 1971) during the time of the Weimar Republic and during National Socialism.
AutorSach, Louisa
Geburtsort: Berlin, Deutschland
GutachterProf. Dr. med. J. Bleker
weitere GutachterProf. Dr. med. G. Kaczmarczyk
Priv.- Doz. Dr. E. Brinkschulte
Freie SchlagwörterWoman Doctors Population Policy Racial Hygiene NS-Medicine Women Academics
DDC610 Medizin und Gesundheit
ZusammenfassungDie Arbeit skizziert den beruflichen Werdegang und das berufspolitische Engagement der Ärztin Ilse Szagunn (1887-1971) in der Zeit von 1918 bis 1945. Damit beschäftigt sie sich mit einem von der medizinhistorischen Forschung bislang wenig beleuchteten Aspekt: der kontinuierlichen Berufstätigkeit von Ärztinnen in der Weimarer Republik wie im Nationalsozialismus. Ilse Szagunn gehörte zur ersten Generation von Ärztinnen, die ihre komplette Ausbildung in Deutschland erhielten. Sie arbeitete neben ihrer privatärztlichen Tätigkeit in der Weimarer Republik als Ärztin im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Berlin-Charlottenburg. Als erste Vertreterin des neuen Typus der Berufsschulärztin für weibliche Jugendliche engagierte sie sich für eine in den Unterricht integrierte Sexualerziehung. Darunter verstand sie jedoch nicht eine Aufklärung über Verhütungsmethoden oder sexuelle Probleme, sondern sexuelle Erziehung sollte an Stelle von sexueller Aufklärung treten. Als rassenhygienische Expertin war sie sowohl in der Weimarer Republik als auch im Nationalsozialismus in verschiedenen bevölkerungspolitischen Ausschüssen tätig. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Bunds Deutscher Ärztinnen und des Deutschen Akademikerinnenbundes, dessen stellvertretende Vorsitzende sie bis 1933 war. Sie engagierte sich für die Gleichberechtigung der studierten Frau im beruflichen und akademischen Leben. Insofern kann Ilse Szagunn als moderne Frauenrechtlerin bezeichnet werden. Andererseits nutzte die nationalkonservative Bevölkerungspolitikerin die von ihr mit geschaffenen innovativen sozialmedizinischen Methoden, um rückwärtsgewandte Ordnungsvorstellungen und eine Welt der Geschlechtertrennung zu propagieren. Im Mittelpunkt des Lebens einer Frau hatte aus Szagunns Sicht die Mutterschaft zu stehen. Selbst Mutter zweier Söhne vertrat sie für die Akademikerin die Verbindung von Beruf und Familie, während die durchschnittlich gebildete Frau ihre Berufstätigkeit als vorübergehend begreifen sollte. Diese Weltsicht war typisch für das Elitedenken zahlreicher damaliger Ärztinnen. Von 1915 bis zu ihrem Lebensende hat Ilse Szagunn kontinuierlich zu sozialmedizinischen, frauengesundheits- und bevölkerungspolitischen Themen publiziert. Ihre in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus publizierten Artikel bilden neben unveröffentlichten Dokumenten aus Archiven in Berlin und persönlichen Aufzeichnungen der Familie Szagunn die Hauptquellen der Arbeit. Von 1931 bis 1936 arbeite Ilse Szagunn als ärztliche Eheberaterin in einer Beratungsstelle der Inneren Mission, dem damaligen Sozialwerk der Evangelischen Kirche. Sie kooperierte mit den staatlichen Eheberatungsstellen. In dieser Funktion gab Ilse Szagunn Schulungskurse zur NS-Rassen- und Gesundheitspolitik. Sie war bereits in der Weimarer Republik eine erklärte Abtreibungsgegnerin gewesen und hatte sich schon vor 1933 für die Zwangssterilisation stark gemacht. Letztere wurde unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Gesetz und war auch Gegenstand der Beratungstätigkeit von Ilse Szagunn. In der zweiten Hälfte des Nationalsozialismus arbeitete Ilse Szagunn überwiegend medizinjournalistisch. Sie war von 1941 bis 1944 Chefredakteurin der Zeitschrift „Die Ärztin“. Zwar war sie nicht Mitglied der NSDAP, aber ab 1940 zugelassen zum Hauptamt für Volksgesundheit und damit offiziell als politisch konform anerkannt. Ilse Szagunn begriff den Nationalsozialismus als Chance, ihre bereits vor 1933 existierenden rassenhygienischen und völkisch-nationalistischen Politvorstellungen zu verwirklichen. Ihre ideologischen Überzeugungen speisten sich aus einer nicht immer kongruenten Mischung aus protestantisch gefärbtem Nationalkonservativismus, Frauenbewegung, bürgerlichem Antisemitismus und Eugenik. Es handelt sich bei Ilse Szagunn um eine „geistige Wegbereiterin“ des Nationalsozialismus, die durch ihre Schulungskurse, ihre Beratungstätigkeit und nicht zuletzt durch ihre medizinische Berichterstattung als Multiplikatorin der NS-Rassen- und Gesundheitspolitik fungierte.
Dokumente
FUDISS_derivate_000000002304
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Fachbereich/EinrichtungMedizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin
Erscheinungsjahr2006
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
RechteNutzungsbedingungen
Tag der Disputation22.09.2006
Erstellt am13.08.2006 - 00:00:00
Letzte Änderung19.02.2010 - 11:55:02
 
Alte Darwin URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/2006/417/
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002304
URNurn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000002304-9
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