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"Leuchten wir mal hinein...": Das Waldhaus Charlottenburg in Sommerfeld/Osthavelland 1905-1945
Schmitt, Andreas

Haupttitel"Leuchten wir mal hinein...": Das Waldhaus Charlottenburg in Sommerfeld/Osthavelland 1905-1945
TitelzusatzEin Stück Berliner Tuberkulosemedizin
TitelvarianteThe Waldhaus Charlottenburg at Sommerfeld/Osthavelland 1905-1945
Zusatz zur TitelvarianteA piece of Berlin Tuberculosis Medicine
AutorSchmitt, Andreas
Geburtsort: Muenchen Germany
GutachterProf. Dr. Dr. Rolf Winau
weitere GutachterProf. Dr. Robert Wischer
Freie SchlagwörterTuberculosis, Ulrici, Hospital, Berlin, Waldhaus
DDC610 Medizin und Gesundheit
ZusammenfassungDie Geschichte des Tuberkulosekrankenhauses Waldhaus Charlottenburg in Sommerfeld/Osthavelland konnte über drei Epochen im Detail verfolgt werden. Für jede Epoche wurden zur Relativierung je nach Wichtigkeit staatliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und medizinische und insbesondere regionale Aspekte der Tuberkulose hinzugezogen. Auf der Basis der sozialen Reformen entwickelt sich in der Charlottenburger Verwaltung schon früh eine moderne Gesundheitsverwaltung, die nicht nur auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung Maßstäbe setzte. Für diese Zeit konnten detaillierten Planungen und Konzepte für eine Anstalt für Tuberkulöse, dem späteren Waldhaus Charlottenburg dargestellt werden. Als zentrale Figur für die Entwicklung in allen Epochen konnte der leitende Arzt der Klinik Dr. Hellmuth Ulrici bestimmt werden. Die Motivationen der Beteiligten konnten im Detail politischen, wirtschaftlichen, sozialhygienischen und medizinischen Strömungen zugeordnet, insbesondere aber auch in ihrer Modernität gezeigt werden. Die 1914 realisierte Anstalt wies im Bezug zum Konzept schließlich einen modernen Kompromiß auf, dem keine zeitgenössische Anstalt vergleichbar war. Es war damit ein neuer Typus der Anstaltsversorgung für Tuberkulöse entstanden, welcher in seiner Ausrichtung zwischen der Heilstätte und dem Krankenhaus lag. Für die Zeit der Weimarer Republik war die Anstalt konzeptionelles Vorbild der Modernisierung der deutschen Heilstätten. Unter Verwendung umfangreichen statistischen Materials konnte der Anstaltstypus des Tuberkulosekrankenhauses erstmals detailgetreu geklärt werden. Als kennzeichnendes Merkmal konnte aber neben der Problematik der Überbelegung mit Schwerkranken auch die intensive krankenhausähnliche Therapie aufgezeigt werden. In der Konsequenz entwickelte sich ein neuer Typus Tuberkulosearzt. Anhand der Auswertung der Tätigkeit der Ärzteschaft wurde die einzigartige regionale Stellung und die zunehmende nationale und internationale medizinische Relevanz des Waldhauses nachgewiesen. Für die Zeit der NS-Herrschaft wird der Umfang der rassistischen Tuberkulosepolitik aufgezeigt. Anhand des Waldhauses konnte deren Einfluß auf eine Krankenanstalt dargestellt werden und eine individuelle Einschätzung erfolgen. So waren in jedem Bereich der Tätigkeit des Waldhauses weitgehende Auswirkungen und darüber hinaus eine starke Akzeptanz durch die Klinikleitung festzustellen. Dazu zählen die Terrorisierung im Klinikalltag, die partielle Ideologisierung des Versicherungswesens, die ärztliche Mitarbeit im Zuge der totalitären Tuberkulosebekämpfung oder die partielle Patientenselektion bezüglich Belegung und Therapie. Zudem war das Waldhaus das Zentrum der deutschen Vererbungsforschungen zur Tuberkulose. Für die beiden dominierenden Anstaltsärzte können darüber hinaus Kontakte zu den Machtzellen nachgewiesen werden, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen. Für das Jahr 1940 existiert die Vermutung der wilden Euthanasie an Patienten der Anstalt. In baulicher und medizinischer Hinsicht konnte eine der allgemeinen Geschichte der Tuberkulosemedizin entsprechende Verlangsamung der Weiterentwicklung verzeichnet werden. Durch die Entwicklungen der universitären Medizin erfuhr die Stellung innerhalb der Anstaltslandschaft zudem eine Schwächung. Am Beispiel des Tagebuches des Patienten Joachim Ringelnatz konnte eindrücklich das persönliche Drama eines Tuberkulösen nachgezeichnet werden. War die Wilhelminische Phase die Zeit der Konzeption und die Weimarer Phase die der Blüte gewesen, so war die nationalsozialistische Phase die Zeit des Stillstands in der Entwicklung des "Waldhaus Charlottenburg".
Dokumente
FUDISS_derivate_000000001516
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Fachbereich/EinrichtungMedizinische Fakultät Charité - Universitätsmedizin Berlin
Erscheinungsjahr2004
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
RechteNutzungsbedingungen
Tag der Disputation07.05.1999
Erstellt am21.11.2004 - 00:00:00
Letzte Änderung19.02.2010 - 10:22:35
 
Alte Darwin URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/2004/302/
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001516
URNurn:nbn:de:kobv:188-fudissthesis000000001516-1
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