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Pro- und antifaschistischer Neorealismus
Döge, Frank Ulrich

HaupttitelPro- und antifaschistischer Neorealismus
TitelzusatzInternationale Rezeptionsgeschichte, literarische Bezüge und Produktionsgeschichte von La nave bianca und Roma città aperta, die frühen Filme von Roberto Rossellini und Francesco De Robertis
TitelvarianteFascist and Antifascist Neorealism
Zusatz zur TitelvarianteInternational history of reception, literary relationships and production histories of La nave bianca and Roma città aperta, the early films of Roberto Rossellini and Francesco De Robertis
AutorDöge, Frank Ulrich
Geburtsort: Berlin
GutachterProf. Dr. Enrico Straub
weitere GutachterProf. Dr. Gertrud Koch
Freie SchlagwörterItalian Neorealism, Roberto Rossellini, Francesco De Robertis, Italian Film, Italian Literature
DDC800 Literatur und Rhetorik
ZusammenfassungDie Dissertation gibt Antworten auf zwei leitende Fragestellungen: 1. Welche Beziehungen existieren zwischen der veristischen Erzählung Rosso Malpelo (1878) von Giovanni Verga und La nave bianca (1941) einerseits, dem modernen Großstadtroman Manhattan Transfer (1925) von John Dos Passos und Roma città aperta (1945) andererseits? 2. Welche ästhetische und ideologische Kontinuität besteht zwischen dem faschistischen Kriegsspielfilm La nave bianca und dem mutmaßlich antifaschistischen Initialwerk des italienischen filmischen Neorealismus Roma città aperta? Anhand der internationalen Rezeption vorrangig des filmischen, daneben des literarischen italienischen Neorealismus zwischen 1946 und 1961 werden die teils ethischen, teils ästhetischen Interpretationen beider Tendenzen dargestellt. Roberto Rossellini wirkt in wechselnden Stabfunktionen an La nave bianca und Roma città aperta mit. Aus der in- und ausländischen Wahrnehmung des Werkes von Rossellini zwischen 1946 und 1961 ergibt sich, dass er seit Roma città aperta als Begründer und wichtigster Vertreter des italienischen filmischen Neorealismus gerühmt, seit L'Amore (1947-48) jedoch für dessen Niedergang verantwortlich gemacht wird. Die Rezeptionsgeschichte basiert auf Artikeln aus Fiera letteraria, Cinema, Cinema nuovo, Positif, Sight and Sound und Filmkritik. Seit Ende des 2. Weltkriegs bis in die Gegenwart herrscht die Lehrmeinung vor, der italienische Neorealismus sei eine antifaschistische subversive Kultur. Dieser Common Sense steht aber im Widerspruch zur Förderung einer neuen realistischen Ästhetik seitens des faschistischen Staates als einer von mehreren offiziell anerkannten Kunstrichtungen. In ihrem ideologischen Eklektizismus und ihrer Unterstützung verschiedener Kunsttendenzen erweist sich die faschistische Kulturpolitik als herrschaftsfunktional. Sie gewährleistet die institutionalisierte Zusammenarbeit mit der liberal-konservativen Elite zum beiderseitigen Vorteil, etwa im Fall der mehrbändigen Enciclopedia Italiana, veröffentlicht zwischen 1929 bis 1937. Designierte Nachfolger dieser etablierten Kulturelite, Mitglieder faschistischer Hochschulgruppen wie Michelangelo Antonioni und Guido Aristarco, engagieren sich vorrangig publizistisch für eine nationale realistische Filmästhetik. Bereits der faschistische Kriegsspielfilm weist stilistische Merkmale auf, die nach dem 2. Weltkrieg als Kennzeichen antifaschistisch-neorealistischer Ästhetik gelten. Die Biofilmografien von Francesco De Robertis und von Roberto Rossellini belegen, dass sie zu diesem Genre die meisten und stilistisch innovativen Beiträge liefern. Die Kritik der Sekundärliteratur und erstmals berücksichtigte Quellen zur Produktionsgeschichte von La nave biancauserdefined führen zu einer Neubestimmung der kreativen Anteile von De Robertis und Rossellini an diesem Film. Der italienische Neorealismus wird mitunter auch Neoverismus genannt. Seine Ursprünge hat der literarische verismo mittelbar im historischen Roman Walter Scotts, unmittelbar im französischen Naturalismus. La nave bianca und Rosso Malpelo vereint milieubedingtes Schicksal der Figuren, Verlebendigung des Gegenständlichen, Verdinglichung handelnder Personen, zirkuläre, entzeitlichte Narration. Erläutert werden die zahlreichen Verweise von Roma città aperta auf den Kriegsverlauf in Italien, insbesondere die nationalsozialistische Besatzung Roms 1943-44. Porträts ausgewählter Darsteller, Stabmitglieder sowie die Produktionsgeschichte von Roma città aperta münden in den Vergleich zwischen diesem Film und Manhattan Transfer unter zwei Aspekten: 1. die Repräsentation städtischen Raumes und die Typisierung von Figuren durch den urbanen Schauplatz; 2. die Synthese von Fiktion und historischer Wirklichkeit.
Dokumente
FUDISS_derivate_000000001408
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Fachbereich/EinrichtungFB Philosophie und Geisteswissenschaften
Erscheinungsjahr2004
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
RechteNutzungsbedingungen
Tag der Disputation27.11.2002
Erstellt am05.11.2004 - 00:00:00
Letzte Änderung19.02.2010 - 14:44:19
 
Alte Darwin URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/2004/283/
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001408
URNurn:nbn:de:kobv:188-2004002833
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