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Psychologische Theorien in den Diskussionen um Ethikunterricht
Böhmer, Annegret

HaupttitelPsychologische Theorien in den Diskussionen um Ethikunterricht
TitelzusatzEin Blick über den Zaun - Religionspsychologie
TitelvariantePsychological Theories in the Discussion on Instructions in Ethics
Zusatz zur TitelvarianteA Look over the Fence - The Psychology of Religion
AutorBöhmer, Annegret
Geburtsort: Braunschweig, BRD
GutachterProf. Dr. Jürgen Raschert
weitere GutachterProf. Dr. Christoph Wulf
Freie Schlagwörterpsychology of religion, life-skills, identity, instruction in ethics, psychological training of teachers
DDC150 Psychologie
Zusammenfassung

Psychologische Theorien in den Diskussionen um Ethikunterricht

Ein Blick über den Zaun - Religionspsychologie

Annegret Böhmer

Kinder und Jugendliche sollen in der Schule Chancen zum Erwerb von Wissen und Fähigkeiten erhalten, aber auch zur Entwicklung ihrer Identität und Hilfen zu einem gelingenden Leben. Für letzteres war in der Bundesrepublik lange Zeit fraglos auch der Religionsunterricht zuständig. § 7,3 des Grundgesetzes legt für fast alle Bundesländer fest, dass konfessioneller Religionsunterricht ordentliches Lehrfach in der Schule ist. Grundidee dieser Rechtskonstruktion ist die wertebezogene Neutralität des Staates, gepaart mit einem Bildungsverständnis, das Weltanschauungen als zentrale positive Kategorie einschließt. Es besteht Wahlfreiheit zwischen evangelischem und katholischem Religionsunterricht. Im Zuge des Bedeutungsverlusts der institutionalisierten Religion gab es seit den 70er in den Bundesländern der alten BRD Debatten um das Pflichtfach Religion und schulpolitische Veränderungen in Richtung auf ein Alternativ- oder Ersatzfach Ethik.

In der DDR war die Schule nicht wertneutral, sondern mit den politischen Zielen des Staates konform. Religion und Kirche wurden abgelehnt. Es gab keinen Religionsunterricht an der Schule. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten führte das Thema Religions- und / oder Ethikunterricht zu bildungspolitischen Kontroversen. Zugespitzt haben sich die Debatten in bezug auf das staatlich verantwortete Schulfach Lebenskunde-Ethik-Religionskunde (LER) im Bundesland Brandenburg. In diesem Modell wird der § 7,3 des Grundgesetzes nicht berücksichtigt.

Welche Aussagen kann die säkulare Erziehungswissenschaft zur Relevanz religiöser Bildung in der Schule jenseits politischer Positionen machen? Welche psychologischen Theorien eignen sich zur Begründung schulpolitischer Entscheidungen?

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die gesellschaftspolitische Relevanz dieses Themas und der verwendete Religionsbegriff geklärt (Kap. 1, S. 11-16). Dann werden unter der Überschrift "Psychologie und Ethikunterricht" die Entwicklungen des Schulfaches Ethik nachgezeichnet (Kap. 2, S. 17-68). Es wird die psychologische Ausbildung von Ethiklehrkräften diskutiert und der Frage nachgegangen, welche psychologischen Theorien für die Beschreibung der persönlichkeitsbezogenen Entwicklungsziele wertorientierenden Unterrichts verwendet wurden. Wenn der Begriff "Lebenskunde" eine Rolle spielt und das schulische Erziehungsziel "Identität" heißt, was ist dann die ethische, die soziale oder sogar therapeutische Dimension von schulischem Unterricht? Und welche Bedeutung hat die individuelle Religiosität oder Weltanschauung der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler für die Lernprozesse? Kapitel 2 schließt mit dem Fazit, dass diese Fragen kaum zu beantworten sind, weil der Bereich der individuellen Religiosität in der Erziehungswissenschaft bisher unzureichend bearbeitet wurde.

Deshalb wird als nächstes der Bereich wissenschaftlicher Religionspsychologie vorgestellt (Kap. 3, S. 69-84). Dazu zählen Begriffsbestimmungen und ein Überblick über die Geschichte und Richtungen der Religionspsychologie. Lange Zeit wurde Religionspsychologie vor allem im Rahmen theologischer Fakultäten betrieben. Die Geschichte dieser theologisch bestimmten Religionspsychologie wird in für die Fragestellung relevanten Auszügen skizziert (Kap.4, S. 85-124).

Schließlich wird im Hauptteil der Untersuchung entfaltet, in welcher Weise neue, säkulare, sozialwissenschaftliche Theorien den Bereich individueller Religiosität beschreiben (Kap. 5). Dabei wird nach einer ressourcenorientierten Perspektive gesucht, die die Risiken von Religiosität nicht verschweigt, die positiven Entwicklungspotentiale aber zu beschreiben vermag. Es werden Beiträge des Entwicklungspsychologen August Flammer, des Evolutionsbiologen und Psychologen Norbert Bischof, eines Vertreter der systemisch-konstruktivistischen Pädagogik, Kersten Reich, und des Begründers der systemischen Theorie Gregory Bateson zum Thema Religiosität referiert, sowie ein Exkurs zur Funktionsweise des Gehirns und ein Überblick über die Bedeutung von Spiritualität in der Kommunikationstheorie des Neurolinguistischen Programmierens, NLP. Ein Zusammenhang des sogenannten Flow - Erlebnisses mit religiösen Erfahrungen wird hergestellt (Datei 5a, S.125-200). Ein großer Abschnitt von Kapitel 5 befasst sich mit neuen Forschungen zum Zusammenhang von Religiosität und Gesundheit. Schließlich gibt ein Kapitel über Evolution und Religion Einblick in anthropologische Perspektiven auf die Religiosität (Datei 5b, S. 201-233).

Im letzten Kapitel werden die wichtigsten Elemente einer säkularen ressourcenorientierten Religionspsychologie, die einen Beitrag für die Debatten um das Thema Ethik und Religion in der Schule leisten können, zusammengefasst und die Schlüsse für die Ausbildung von Ethiklehrkräften gezogen (Kap 6, S. 234-248).

Dokumente
FUDISS_derivate_000000001215
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Fachbereich/EinrichtungFB Erziehungswissenschaft und Psychologie
Erscheinungsjahr2004
Dokumententyp/-SammlungenDissertation
Medientyp/FormatText
SpracheDeutsch
RechteNutzungsbedingungen
Tag der Disputation18.07.2003
Erstellt am26.02.2004 - 00:00:00
Letzte Änderung19.02.2010 - 13:10:38
 
Alte Darwin URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/2004/48/
Statische URLhttp://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001215
URNurn:nbn:de:kobv:188-2004000484
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